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„Das tut gut!“ - TTF stehen im Champions-League-Halbfinale

1. FC Saarbrücken TT – TTF Liebherr Ochsenhausen 1:3

„Das tut gut!“, wie ein erleichterter Kristijan Pejinovic nach nervenaufreibenden dreieinhalb Stunden und dem 3:1-Sieg der TTF Liebherr Ochsenhausen in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle zu Protokoll gab. „Wir sollten diesen Augenblick jetzt erst mal genießen!“. Natürlich ist auch dem TTF-Präsidenten bewusst, dass nur ein kurzes Genießen gestattet ist, da am Sonntagnachmittag um 15.00 Uhr in Ochsenhausen bereits das nächste extrem wichtige Spiel gegen denselben Gegner auf dem Programm steht – und dann geht es um etwas ebenso bedeutsames, nämlich um die Play-offs.

 

Die Mannschaft war der Held

War im Hinspiel noch Hugo Calderano der – aufgrund der 2:3-Niederlage des Teams – verhinderte Held des Abends gewesen, durfte diesmal eindeutig die Mannschaft in der Heldenrolle glänzen. Jeder der drei Spieler, denen Dubravko Skoric das Vertrauen geschenkt hatte, zahlte etwas zurück und steuerte einen wichtigen Punkt bei.

 

Manche hatten damit gerechnet, dass der Trainer schon heute Simon Gauzy bringen würde, doch er gab drei Akteuren den Vorzug, die im Hinspiel dicht vor einem Sieg gestanden hatten, den Sack aber nicht zumachen konnten. Der Plan ist aufgegangen, somit hat Skoric ein gutes Händchen bewiesen. Kristijan Pejinovic: „Kompliment an die Spieler für diese tolle, geschlossene Mannschaftsleistung und den selbstbewussten Auftritt, aber auch Kompliment ans Trainerteam! Heute hat alles gepasst.“ Erleichterung pur beim Präsidenten. „Wir hatten es einfach mal verdient nach einer bis dato recht zerfahrenen Saison mit viel Verletzungspech.“

 

Dyjas, Muramtsu und Calderano überzeugten

Lenken wir den Blick auf den sportlichen Verlauf des unterhaltsamen Tischtennisabends: Ein gut aufgelegter Jakub Dyjas konnte gleich am Anfang einen Bigpoint setzen. Gegen Tiago Apolonia, dem er bei Pokal Final Four noch knapp unterlegen war, bot der 22-jährige Pole tolles Tischtennis und steckte auch den denkbar knappen 2:2-Satzausgleich des Portugiesen mit 14:12 weg. Im mit 11:9 gewonnenen Entscheidungssatz war Dyjas der Nervenstärkere und hatte den längeren Atem.

 

Die Hoffnung war groß, dass der im Hinspiel so überragende Hugo Calderano gegen Patrick Franziska nachlegen würde. Doch diesmal erreichte der Brasilianer sein allerhöchstes Niveau nicht beziehungsweise nur in manchen Phasen. Der gut aufgelegte deutsche Nationalspieler (Sportmanager Daniel Zwickl: „Franziska ist zurzeit sehr stark“) behauptete sich in fünf Sätzen. Zwischenstand zur Pause also 1:1 bei 5:5 Sätzen. Das versprach, noch richtig spannend zu werden.

 

Zunächst musste der Japaner Yuto Muramatsu gegen den früheren Jungendweltmeister Patrick Baum ran. Beim Pokal in Neu-Ulm hatte Ochsenhausens Defensiv-Ass den 30-jährigen Rheinhessen geschlagen, gegen denn er später im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse eine bittere Niederlage quittieren musste. Doch diesmal agierte Muramatsu wesentlich sicherer und psychisch stabiler als beim letzten Vergleich. Die ersten beiden Sätze gingen klar an den TTF-Dreier, der dritte wurde allerdings in der Verlängerung verloren. Im vierten Durchgang brachte der 21-jährige Ochsenhausener jedoch sein Spiel wieder durch und punktete zum 2:1, was aber noch keine Vorentscheidung bedeutete.

 

Saarbrücken versuchte nun alles und wechselte Routinier Bojan Tokic ein, der das Hinspiel als Joker zugunsten der Saarländer entschieden hatte, indem er Jakub Dyjas kurz vor dem Ziel abfing. Und auch diesmal schien sich der Schachzug wieder auszuzahlen. Tokic nahm Hugo Calderano den ersten Durchgang mit 12:10 ab. Doch Letzterer gab nun richtig Gas und zog durch zwei deutlich gewonnene Sätze auf 2:1 davon. Es sah gut aus, doch dann spielten die Nerven dem Ochsenhausener einen Streich – Durchgang vier ging abermals mit 10:12 weg, nachdem der TTF-Profi bei 10:9-Führung einen Matchball nicht verwerten konnte. Es war klar, dass der Entscheidungsdurchgang ein reines Nervenspiel werden würde und manche meinten, die Erfahrung des 37-jährigen Tokic würde über den jugendlichen Elan seines 16 Jahre jüngeren Gegners triumphieren. Aber es kam anders. Calderano zeigte sich wieder gut fokussiert und konnte den bis zum Schluss gefährlichen Slowenen mit 11:8 auf Distanz halten. Es war vollbracht, das fünfte Match zwischen Franziska und Dyjas brauchte nicht mehr gespielt zu werden und die TTF konnten den verdienten Halbfinal-Einzug bejubeln.

 

Daniel Zwickl: „Ein Durchbruch für uns“

Daniel Zwickl war begeistert: „Die Jungs waren heute alle fantastisch, sie haben alle daran geglaubt und auf hohem Niveau gespielt. Aber auch Saarbrücken war sehr gut.“ Zwickl, der sich auch darüber freute, dass rund 20 TTF-Fans mitgereist waren und für gute Stimmung sorgten, bilanzierte: „Es war ein großer Kampf und eine super Teamleistung.“ Doch mehr noch. „Es war ein Durchbruch für uns, nach der Final-Four-Niederlage gegen Saarbrücken und dem knappen Scheitern in der Champions League letztes Jahr gegen Düsseldorf. Jetzt stehen wir unter den vier besten Teams Europas und sind stolz darauf, das geschafft zu haben.“

 

Beweis erbracht: TTF können auch wichtige Spiele gegen Saarbrücken gewinnen

2:2 steht es jetzt, wenn man die bisherigen Vergleiche der beiden Rivalen in der laufenden Saison gegenüberstellt. Die TTF gewannen das Bundesliga-Hinspiel und heute das Königsklassen-Rückspiel, die Saarländer triumphierten beim Liebherr-Pokal-Finale sowie im Champions-League-Hinspiel. Psychologisch wichtig ist für die im Vergleich mit Saarbrücken im Schnitt neun Jahre jüngeren Oberschwaben auch die heutige Erkenntnis, dass ihr Team auch wichtige Partien gegen Apolonia und Co. gewinnen kann. Vor kurzem meinte noch FCS-Trainer Slobodan Grujic, dass sein Team fast immer die besonders bedeutenden Begegnungen mit Ochsenhausen gewonnen hätte.

 

Halbfinal-Showdown gegen Boll und Co.

Der Halbfinalgegner heißt Borussia Düsseldorf – es kommt also zum nächsten Bundesliga-Duell mit Hin- und Rückspiel. Ein Leckerbissen für die TTF-Fans. Letztes Jahr schied man gegen Boll und Co. hauchdünn im Viertelfinale aus, nun könnte man gegen den deutschen Vorzeigeklub Revanche nehmen. Man ist sicher nicht Favorit, aber auch kein chancenloser Underdog. Kristian Pejinovic meint: „Ich traue uns im Halbfinale durchaus etwas zu, wobei sicher einiges davon abhängen wird, ob Simon Gauzy bis dahin wieder in guter Verfassung ist.“

 

Kleiner psychologischer Vorteil beim Sonntagsspiel

Am Sonntag werden gegen den Tabellenzweiten aus dem Saarland die Karten komplett neu gemischt, da beginnt alles wieder bei 0:0 und ist völlig offen. Saarbrücken wird heiß auf die Revanche sein. Dennoch sieht Kristijan Pejinovic einen kleinen psychologischen Vorteil auf Seiten der TTF: „Schließlich haben wir heute ein kleines Finale gewonnen.“ Das sieht Daniel Zwickl ähnlich. „Wir haben heute gezeigt, dass wir es können“, so der Ochsenhausener Sportmanager. „Aber es wird bestimmt wieder so sein, dass letztlich zwei, drei Punkte über Sieg oder Niederlage entscheiden.“

 

 

Das Spiel im Überblick

Tiago Apolonia – Jakub Dyjas 2:3 (8:11, 11:6, 9:11, 14:12, 9:11)

Patrick Franziska – Hugo Calderano 3:2 (7:11, 11:6, 11:9, 6:11, 11:6)

Patrick Baum – Yuto Muramatsu 1:3 (4:11, 7:11, 12:10, 8:11)

Bojan Tokic – Hugo Calderano 1:3 (12:10, 5:11, 5:11, 12:10, 8:11)

 

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