TTF Liebherr Ochsenhausen – TTC Schwalbe Bergneustadt 3:1

Prima Play-off-Auftakt - TTF schlagen Bergneustadt

Auf den Punkt in Topform – so präsentierten sich die TTF Liebherr Ochsenhausen zum Auftakt der Play-offs ihren Fans in Ehingen. In etwas über zweieinhalb Stunden wurde der TTC Schwalbe Bergneustadt hochverdient mit 3:1 geschlagen. 11:4 Sätze zugunsten der TTF demonstrieren die Größenverhältnisse an diesem unterhaltsamen Tischtennisabend.


Nichts mehr war von der leichten Verunsicherung der Mannschaft in der Endphase des Matchs gegen Fulda-Maberzell zu spüren. Es war wie erhofft: Play-offs und das Team ist hellwach und tritt mit Biss und Selbstbewusstsein auf. Besonders stark zeigten sich zwei Spieler: Hugo Calderano und Stefan Fegerl.


Calderano in Galaform


Calderano ließ zunächst Paul Drinkhall beim 3:0 keine Chance und hatte später auch Alvaro Robles gut im Griff, auch wenn es am Ende beim 3:1 noch etwas enger zuging. Der Brasilianer, der in der Woche nicht so viel wie sonst trainiert hatte, um seinen zuletzt leicht lädierten Rücken etwas zu entlasten, spielte gewohnt aggressiv und ließ phasenweise seine wirklich nicht schwachen Gegner wie Statisten aussehen. Natürlich gab es auch Phasen, in denen er Fehler machte und seine Kontrahenten herankamen, das ist ganz normal bei dem hohen Risiko, das der Weltranglistensechste spielt. Aber wenn es darauf ankommt, kann man sich darauf verlassen, dass Calderano trifft – ein echter Weltklassespieler und das mit 22 Jahren. „Hugos Schläge waren heute wie die von Mike Tyson“, hatte TTF-Präsident Kristijan Pejinovic einen interessanten Vergleich aus dem Boxsport parat. „Ich meine von der Durchschlagskraft, nicht vom Bewegungsapparat, da ist Hugo schon filigraner.“


Das zweite Match des Abends verlor Simon Gauzy knapp und etwas unglücklich gegen Robles im Entscheidungsdurchgang. „Respekt vor Alvaro, er hat eine Menge bei uns gelernt“, zollte Pejinovic dem heute als Nummer eins der Schwalben aufgestellten Spanier, der jahrelang fest der Ochsenhauser Trainingsgruppe angehörte, die gebührende Anerkennung.


Fegerl lässt Duda alt aussehen


Stefan Fegerl musste also beim Stand von 1:1 in die Box – sein Gegner hieß Benedikt Duda, die eigentliche Nummer eins der Bergneustädter, die eine vorzügliche Bundesligasaison gespielt hat. Im Liga-Hinspiel hatte der Österreicher den deutschen Nationalspieler bezwingen können – er wusste also, wie es geht. Doch im Rückspiel bei der 2:3-Auswärtsniederlage der TTF hatte Duda den Spieß umgedreht und Fegerl mit 3:1 besiegt. Doch das wollte jener so nicht stehenlassen und ging bis in die Haarspitzen motiviert an den Tisch: „Ich hatte zuletzt gehen ihn verloren und war heiß auf die Revanche“, so Fegerl.
Und wie ihm die gelang, war schon sehenswert. Was Duda auch versuchte, der schlaksige Ochsenhauser hatte fast immer die bessere Antwort, spielte aggressiv aber gleichzeitig auch taktisch klug und ließ seinem Gegenüber beim 11:8, 11:9, 11:4 überhaupt keine Chance.


Das war ein vorentscheidender Erfolg. Er ermöglichte Calderano, gegen Robles den Sack zuzumachen. „Stefan ging heute ab wie die Feuerwehr, sein Sieg war sicher der eine Knackpunkt zu unseren Gunsten, der andere waren Hugos tolle Auftritte“, so Kristijan Pejinovic. „Stefan hat aggressiv gespielt und grandios getroffen, aber auch seine ganze Erfahrung hineingelegt. Ich glaube, dass er ein Spieler ist, der die besondere Herausforderung braucht und in Finalsituationen nochmal ein ganzes Stück besser spielt als normal.“


Mazunov, Fegerl und Pejinovic hochzufrieden


Was er heute in Ehingen gesehen hat, hat TTF-Cheftrainer Dmitrij Mazunov natürlich gefallen. „Hugo und Stefan waren heute besonders stark, Simon hat auch nicht schlecht gespielt aber ein bisschen Pech gehabt“, so die Kurzkritik Mazunovs. „Hugo geht in jeder Situation voll drauf, das ist sein Spielsystem, von dem er nicht abweicht. Darin liegt seine Stärke, nämlich es bei vollem Risiko konsequent durchzuziehen und mit Vorhand und Rückhand zum Erfolg zu kommen. Und Stefan hat heute eines seiner bisher besten Spiele im TTF-Trikot gemacht.“ Auch dem Chefcoach ist bewusst, dass man noch lange nicht durch ist: „Wir haben heute den ersten Schritt gemacht und eine gute Leistung gezeigt, die Spieler und auch die gesamte Bank – alle waren voll da, wir haben uns als Einheit präsentiert. Jetzt müssen wir weiter so hart trainieren und uns auch für das Rückspiel optimal vorbereiten, um auch in Bergneustadt zu bestehen.“


„Ich habe eine super Woche mit dem Team in Ochsenhausen hinter mir. Wir haben sehr gut trainiert und das heute auch an den Tisch gebracht“, so ein zufriedener Stefan Fegerl. „Wir waren alle voll motiviert, da wir unbedingt nach Frankfurt wollen. Ich freue mich, dass wir unserem Ziel heute einen Schritt nähergekommen sind und dass ich dazu meinen Beitrag leisten konnte. Im Finale sind wir aber noch lange nicht, das Rückspiel wird sicher nochmal schwer.“


„Eine super Leistung der gesamten Mannschaft gegen einen starken Gegner, da kann man nur gratulieren“, freute sich auch Kristijan Pejinovic. „Zwar ist noch nichts erreicht, jedoch liegen wir nun eins vorne und haben den Druck an Bergneustadt weitergegeben. Ich freue mich aufs Rückspiel und bin sicher, dass dann auch Simon noch einen Ticken drauflegen wird.“


Am 7. April könnte man beim Rückspiel im Bergischen Land bereits das Finalticket lösen. Dazu muss man auch auswärts gewinnen. Sollte das nicht gelingen, hätte man eine Woche später in Ehingen eine weitere Chance, sich für das Finale am 25. Mai in Frankfurt zu qualifizieren. Die TTF werden alles versuchen, ein „Nachsitzen“ zu vermeiden und bereits in Bergneustadt das Etappenziel zu erreichen.

 

Das Spiel im Überblick

Hugo Calderano – Paul Drinkhall 3:0 (11:9, 11:9, 11:8)
Simon Gauzy – Alvaro Robles 2:3 (11:8, 7:11, 9:11, 11:8, 9:11)
Stefan Fegerl – Benedikt Duda 3:0 (11:8, 11:9, 11:4)
Hugo Calderano – Alvaro Robles 3:1 (11:2, 11:7, 9:11, 12:10)